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Ergotherapie bei Schlaganfall

Autorenbild: Johanna PETER
Johanna PETER
21. Aug.
3 Min. Lesezeit

Der Schlaganfall zählt zu einer der häufigsten Erkrankungen weltweit und verändert das Leben eines Menschen meist blitzartig. Neben der Akutversorgung im Krankenhaus durch medizinisches Personal leisten auch die therapeutischen Berufe ihren Beitrag zur Genesung der Betroffenen. Die Arbeit der Ergotherapeut:innen beginnt idealerweise in den ersten Tagen eines Krankenhausaufenthaltes und begleitet die Betroffenen auf ihrem Weg zurück in den Alltag.  

 

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutzufuhr zu einem Teil des Gehirns plötzlich unterbrochen wird. Das Gehirn erhält dadurch nicht mehr ausreichend Sauerstoff. Ohne diese lebenswichtige Versorgung können die Gehirnzellen innerhalb weniger Stunden absterben. Je nachdem, welcher Bereich des Gehirns betroffen ist und wie groß die Schädigung ausfällt, können unterschiedliche Fähigkeiten beeinträchtigt werden.


Man unterscheidet den Schlaganfall in zwei Formen:

  • Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall): Dieser entsteht durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Hirn.

  • Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall): Entsteht nachdem ein Blutgefäß im Gehirn platzt und das umliegende Gewebe durch den Druck geschädigt wird.

 

Welche Symptome auftreten und in welchem Schweregrad, hängt davon ab, welche Areale des Gehirns betroffen sind und wie stark diese geschädigt wurden. Neben dem Verlust der Motorik (z.B.: Lähmung einer Körperhälfte), können auch die Sprache (z.B.: Aphasie) und die kognitiven Fähigkeiten (z.B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis) sowie die Wahrnehmung (z.B.:Vernachlässigung einer Raum-/Körperhälfte, Sehstörung) beeinträchtigt sein.

 

Ergotherapeutische Ziele und Maßnahmen bei einem Schlaganfall

 

Das Ziel der Ergotherapie ist es die größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag nach einem Schlaganfall wiederzuerlangen. Die Therapie wird individuell an die Symptome und Fähigkeiten der Patient:innen angepasst. Gemeinsam wird an Tätigkeiten gearbeitet, die für die Betroffenen bedeutungsvoll sind. Mit verschiedenen Ansätzen arbeiten die Ergotherapeut:innen mit ihren Patient:innen daran, die notwendigen motorischen und sensorischen Funktionen, sowie die kognitiven Fähigkeiten so weit zu trainieren, dass ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben möglich ist.

 

Wie die Therapie gestaltet ist unterliegt der:dem jeweiligen Ergotherapeut:in. Folgende Maßnahmen könnten in der Behandlung bei Patient:innen nach Schlaganfall zum Einsatz kommen.

  • Förderung von Aktivitäten des täglichen Lebens: Hier wird direkt an alltäglichen Aktivitäten (z.B.: Zähne putzen, An- und Auskleiden, Kochen/Essen zubereiten) gearbeitet. Hilfsmittel, Kompensationsstrategien oder wiederholtes Üben können die Selbstständigkeit verbessern.

 

  • Förderung der Motorik: Training der Feinmotorik und Grobmotorik verbessert den Einsatz der Hände im Alltag. Dabei werden alltagsrelevante Bewegungen wie Greifen, Halten oder das Transportieren von Gegenständen gezielt geübt.

 

  • Förderung der Sensibilität: Häufig kommt es zu einem reduzierten oder vollständigen Verlust des Empfindens einer Körperhälfte oder Gliedmaße. Mit gezielten Reizen (z.B. Sensibilitätsbürsten, Linsen-/Reisbad, Spiegeltherapie) kann die Sensibilität verbessert werden.  

 

  • Förderung der kognitiven Fähigkeiten: Durch gezieltes Training können Konzentration (z.B. Therapiespiele, Zettel-Stift-Aufgaben) und Gedächtnis (z.B. Gedächtnisstützen, Gedächtnisspiele) verbessert werden. Bei einer Vernachlässigung einer Raum-/Körperhälfte (Neglekt) wird geübt, diese wieder wahrzunehmen. Zudem werden Patient:innen geschult, um Gefahren und Verletzungen vorzubeugen. Bei einer Störung der Handlungsplanung (Apraxie) werden Strategien entwickelt um Handlungsabläufe besser planen und umsetzen zu können.

 

  • Hilfsmittelberatung: Die Hilfsmittelberatung ist vor allem im häuslichen Setting ein wichtiger Teil der Ergotherapie. Hier können Hilfsmittel wie Anziehhilfen, Antirutschfolien, Haltegriffe oder Greifzangen zum Einsatz kommen und individuell an die Bedürfnisse der Patient:innen angepasst werden.

 

 

Eine ergotherapeutische Behandlung nach einem Schlaganfall kann also sehr unterschiedlich aussehen. Die Therapie passt sich an den aktuellen Stand der Patient:innen an. Somit ist auch die Dauer der Ergotherapie abhängig vom jeweiligen Verlauf und wird in der Regel so lange fortgeführt, wie sie zur Verbesserung und/oder zum Erhalt der Selbstständigkeit beitragen kann.

Unser Gehirn besitzt die bemerkenswerte Fähigkeit, sich auch nach einem Schlaganfall zu erholen und neue Verbindungen zu knüpfen. Regelmäßiges Training vor allem in der Akutphase, mit einem geschulten Team aus Ergotherapeuti:innen, Logopäd:innen, Physiotherapeut:innen,.. ist der beste Weg zu einem selbstständigen Leben nach einem Schlaganfall.

 

 

 

Quellen:

  • Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft (ÖGSF). https://ögsf.at/ [abgerufen am 22.04.2026]

  • Habermann, C., Kolster, F.: Ergotherapie im Arbeitsfeld Neurologie. Thieme, 2009

  • Haus, K. M.: Neurophysiologische Behandlung bei Erwachsenen: Grundlagen der Neurologie, Behandlungskonzepte, Alltagsorientierte Therapieansätze. Springer, 2010.

 

 
 
 

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